Re: Ablehnungsbescheid aus dem Nichts
Sehr geehrte Frau Schelling,
vielen Dank, wie Sie sich mit der Sache auseinandersetzen und versuchen, uns zuzuhören und die Situation vermutlich auch weit über Ihre Arbeitszeit hinaus vermitteln!
Das Vorgehen des Campuscenters, darauf zu warten, bis betroffene Studierende sich an es wendet, setzt voraus, dass die Studierenden in der Lage sind, sich entsprechend bei der richtigen Stelle zu melden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass alle Studierenden, die fälschlicherweise einen solchen Bescheid erhalten haben, dazu umgehend in der Lage sind. Mir ist der Fall einer ausländischen Studierenden bekannt, die sich zunächst an andere Stellen gewendet hat und erst einen Tag später überhaupt beim Campuscenter gelandet ist. Zudem gibt es momentan viele Studierende, die bereits durch die Pandemiesituation psychisch stark belastet sind, oder Studierende, die tagsüber arbeiten müssen, die sich nicht umgehend darum kümmern können. Eine Studie zur sozialen Lage der Studierenden während der Pandemie zeigt zudem, dass etwa 20% der Studierenden bezweifeln, ihr Studium unter diesen Bedingungen beenden zu können. Die zusätzliche Belastung durch den falschen Bescheid kann in einigen Fällen den Abbruch des Studiums unterstützen. Vor diesem Hintergrund finde ich es wichtig, dass das Campuscenter in dieser Sache proaktiv Verantwortung übernimmt und die Studierenden über entsprechende Kanäle informiert, damit kein Schaden entsteht.
Mit freundlichen Grüßen
Naomi Nordblom
Re: Ablehnungsbescheid aus dem Nichts
Liebe Frau Nordblom,

Ich verstehe Ihr Anliegen. Wie ich aber schon erläutert habe, sind wir aus technischen Gründen nicht in der Lage, diejenigen Studierenden, die fälschlicherweise diesen Bescheid erhalten haben, von denjenigen zu unterscheiden, die den Bescheid zu Recht bekommen haben. Das Einzige, was uns also bliebe, wäre, alle Studierenden, die den Bescheid bekommen haben, anzuschreiben. Würden wir nun alle Studierenden anschreiben, die den Bescheid bekommen haben, würden wir meines Erachtens noch mehr Unruhe und Verwirrung stiften und bei den Studierenden, die den Bescheid zu Recht erhalten haben, für Unsicherheit und vor allem für falsche Hoffnungen sorgen. Angesichts dessen, dass diese Gruppe ja durch den Bescheid ähnlich oder sogar stärker belastet sein wird, wie bzw. als die Gruppe, die den Bescheid zu Unrecht erhalten hat (die Tatsache, dass der Bescheid zu Recht erfolgt ist, ändert ja nichts an der subjektiven Belastung, die damit einhergeht, eher im Gegenteil), stimmen Sie mir sicher zu, dass dies keine gute Lösung darstellt.

Weiterhin hat der Bescheid selbst zunächst keine negativen Konsequenzen in Bezug auf das Studium. Da wir eine Widerspruchsfrist von vier Wochen einräumen müssen, bevor tatsächlich die Exmatrikulation auf den Bescheid folgt, hat niemand derzeit negative Auswirkungen zu befürchten, denn niemand ist exmatrikuliert. Wenn es also bei einigen Studierenden eine Weile dauert, bis sie sich darum kümmern können oder den Weg zu uns finden, hat das keinerlei negative Auswirkungen auf deren Studium. Angesichts der Zahl der Rückmeldungen, die wir auf die Versendung der Bescheide hin erhalten haben, gehe ich auch davon aus, dass sich schon nahezu alle Betroffenen bei uns gemeldet haben.

Die von Ihnen befürchtete Konsequenz, dass einige Studierende durch den Bescheid derartig entmutigt sein könnten, dass sie ihr Studium einfach abbrechen, ohne vorher Kontakt zu uns aufgenommen zu haben, halte ich für sehr unwahrscheinlich. Wenn eine Person diesen Bescheid erhält, diese Person weiß, dass sie das laut dem Bescheid vermeintlich fehlende Zeugnis besitzt und sich dann dennoch entscheidet, nicht nachzufragen, sondern lieber das Studium abzubrechen, ist das m.E. (und ich mag mich hier aus dem Fenster lehnen) ein deutliches Zeichen dafür, dass der Bescheid nicht der Grund, sondern nur ein (willkommener?) Anlass für den Abbruch war. Dass eine nachgelagerte Benachrichtigung daran dann etwas ändern würde, wage ich zu bezweifeln.

Herzlichen Dank auch Ihnen für Ihre anerkennende Rückmeldung!

Mit besten Grüßen,
Birte Schelling
Beratung und Administration
Campus-Center
Universität Hamburg
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